Warum KI kein Ersatz ist – sondern eine Gefahr für Marken ohne klare Story
Künstliche Intelligenz hat die Contentwelt schneller gemacht – aber nicht besser. Viele Industrieunternehmen glauben, KI würde Kommunikation vereinfachen. In Wahrheit nimmt sie vielen Marken ihre Tonalität, ihr Profil und ihre Glaubwürdigkeit, wenn keine klare Story dahintersteht.
KI ist kein Markenverständnis.
KI ist keine Haltung.
Und KI ersetzt keine Strategie.
Das zeigt sich besonders dort, wo komplexe Produkte erklärt werden müssen.
KI skaliert Geschwindigkeit – aber auch Beliebigkeit
Industriebeispiel:
Ein Maschinenbauer lässt seine Teams Produkttexte per KI erstellen.
Die Texte klingen korrekt – aber plötzlich liest sich jede Maschinenbeschreibung
wie die Produktseite eines Elektronik-Onlineshops: glatt, generisch, positiv.
Keine technischen Besonderheiten, keine Differenzierung, kein echtes Fachwissen.
Ergebnis:
Ingenieure und Entscheider erkennen sofort:
„Das klingt nicht nach euch.“
2. Das eigentliche Risiko entsteht intern
Ohne klare Leitlinien nutzen Mitarbeitende KI einfach „frei Schnauze“. Der eine schreibt locker, der andere extrem formal, der nächste übertrieben werblich.
Industriebeispiel:
Ein Zulieferer im Automotive-Bereich lässt 14 Mitarbeiter LinkedIn-Posts vorbereiten. Alle nutzen KI.
Alle geben unterschiedliche Prompts ein. Alle Posts klingen wie von 14 verschiedenen Unternehmen.
Ergebnis:
Die Marke verliert ihre Wiedererkennung – und damit Glaubwürdigkeit.
3. KI ist auf positive User Experience optimiert – nicht auf technische Präzision
ChatGPT will freundlich, glatt und unverfänglich formulieren. Industriekommunikation braucht das Gegenteil: Klarheit, Präzision, Fachlichkeit.
Beispiel:
Ein MedTech-Unternehmen lässt KI erklären, warum ihr CT-Gerät präzisere Bilder liefert.
Die Antwort:
„Das Gerät liefert hochauflösende Ergebnisse für eine sichere Diagnose.“
Nett, aber wertlos.
Was fehlt: Der technische Grund.
Die Innovation.
Das „Warum“.
Ergebnis:
Ärzte, Kliniken, Einkäufer merken sofort: Das ist kein Experteninhalt.
4. KI wiederholt das, was schon existiert – sie schafft selten Neues
Industrieunternehmen leben von Innovation — aber KI recycelt Bestehendes.
Beispiel:
Ein Hersteller für Automationssysteme möchte ein Statement über seine neue Roboterreihe schreiben.
Die KI generiert:
„Unsere Lösung ist innovativ, flexibel und effizient.“
Also exakt dieselben Worte, die alle Mitbewerber ebenfalls verwenden.
Ergebnis:
Der USP ist weg. Das Produkt wirkt beliebig.
5. KI skaliert Fehler schneller als Menschen
Wenn ein Mensch unstrategisch kommuniziert, entsteht Chaos.
Wenn KI unstrategisch kommuniziert, entsteht Chaos x100.
Beispiel:
Ein Industriekonzern lässt verschiedene Abteilungen KI nutzen, um Social-Beiträge zu formulieren.
Nach drei Wochen existieren 120 Posts — aber kein einziger passt zur Markenstory.
Ergebnis:
Die Marke wirkt nicht professionell, sondern unkoordiniert.
6. KI kennt deine Marke nicht – sie simuliert nur Vertrautheit
Ohne strategische Vorgaben interpretiert KI die Marke falsch.
Beispiel:
Ein Hersteller für Hydrauliksysteme möchte kommunizieren, dass ihre Lösung nachhaltiger ist.
Die KI schreibt einen generischen Nachhaltigkeitstext à la:
„Wir setzen uns für eine grünere Zukunft ein.“
Was fehlt:
die technische Erklärung, die Zertifizierung, der spezielle Prozess, die echte Innovation.
Ergebnis:
Klingt wie Greenwashing — obwohl das Produkt wirklich besser ist.
7. KI + fehlende Story = Identitätsverlust
KI arbeitet nicht mit deinem aktuellen Markenbild — sie arbeitet mit dem, was sie aus alten Daten, generischen Mustern und globalen Textcorpora „ableitet“. Sie kann nur simulieren, nicht wirklich verstehen. Und genau deshalb macht sie oft irgendetwas – nur selten das Richtige.
Beispiel:
Ein B2B-Softwareanbieter lässt KI Blogartikel verfassen.
Die Texte klingen professionell, aber wie ein US-SaaS-Startup aus 2020:
glatt, hype-orientiert, mit Begriffen, die längst überholt sind.
Nicht wie ein deutscher Mittelständler.
Nicht wie ein Anbieter für industrielle Prozesse.
Und schon gar nicht wie die Marke selbst.
Der Mitarbeiter, der den Text generiert hat, merkt das oft nicht —
er vertraut der KI, weil der Output „gut klingt“.
Doch KI bildet die Marke nie aktuell ab:
Sie kennt den letzten Markenrelaunch nicht.
Sie kennt die neue Positionierung nicht.
Sie kennt die internen Werte, den Ton, die Haltung nicht.
Alles, was entsteht, basiert auf Daten, die hinter der Realität zurückbleiben.
Ergebnis:
Die Identität verschwimmt — intern wie extern.
Und je häufiger KI genutzt wird, desto stärker verliert die Marke ihr Profil.
Warum KI kein Ersatz ist – sondern gute Story unverzichtbar macht
KI ersetzt keine Marke.
KI ersetzt keine Haltung.
KI ersetzt keine Story.
KI ersetzt keine Struktur.
Sie verstärkt nur das, was da ist — oder eben nicht da ist.
Marken mit klarer Story werden durch KI stärker.
Marken ohne klare Story werden durch KI unsichtbar.
Fazit: KI ist nicht das Risiko – Marken ohne Identität sind es
Industrieunternehmen brauchen KI.
Aber sie brauchen vorher etwas anderes:
eine klare Story, konsistente Tonalität, einen roten Faden.
Ohne diese Struktur wird KI zur Gefahr.
Mit dieser Struktur wird KI zum Turbo.
2026 wird nicht das Jahr, in dem KI Kommunikation ersetzt —
sondern das Jahr, in dem Unternehmen ohne klare Kommunikation ersetzt werden.