Interne Machtkämpfe um Social Media – ein Tabu im Mittelstand
In vielen mittelständischen Unternehmen fühlt sich Social Media nicht nach Kommunikation an,
sondern nach Dauerstress.
Nicht, weil niemand Ideen hätte.
Nicht, weil es an Engagement fehlt.
Sondern weil Social Media intern zum Spielfeld geworden ist.
Für Erwartungen, Meinungen und Zielkonflikte, die selten offen ausgesprochen werden.
Marketing, Vertrieb, PR, Kommunikation, HR –
alle glauben zu wissen, wie Social Media funktioniert.
Und genau darin liegt das Problem.
Wenn jede Abteilung „auch mal was posten“ will
Der Einstieg ist fast immer derselbe.
HR sagt:
„Wir brauchen mehr Stellenanzeigen im Feed.
Man muss doch sehen, dass wir suchen.“
Der Vertrieb sagt:
„Wir müssen mehr Produkte zeigen.
Social Media soll verkaufen.“
PR sagt:
„Das müssen wir sauber abstimmen.
So können wir das nicht veröffentlichen.“
Marketing versucht, irgendwie alles zusammenzuhalten.
Und Social Media wird zum internen Wunschzettel.
Alles soll sichtbar sein.
Alles soll mitlaufen.
Alles möglichst ohne zusätzliches Budget.
Social Media wird zum schwarzen Brett – und der Feed kippt
Was dann passiert, erleben wir regelmäßig:
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Stellenanzeigen reihen sich aneinander
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Produktposts verdrängen Inhalte mit Kontext
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Tonalität wechselt je nach Abteilung
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Follower springen ab
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Reichweite sinkt
-
Frust steigt
Nicht, weil Recruiting oder Vertrieb falsch wären.
Sondern weil alles gleichzeitig im organischen Feed stattfinden soll.
Social Media verliert dabei jede Eigenlogik.
Das große Missverständnis: „Social Media ist doch kostenlos“
Einer der zentralen Denkfehler sitzt tief:
„Social Media kostet nichts – wir posten einfach.“
Das stimmt nicht.
Organischer Content ist kein kostenloser Anzeigenplatz. Er ist Beziehungsarbeit. Kontext. Wiedererkennbarkeit. Vertrauen.
Sobald Social Media als Ersatz für Werbung missverstanden wird, gerät alles aus dem Gleichgewicht.
Warum Stellenanzeigen im Feed oft mehr schaden als helfen
Recruiting braucht Sichtbarkeit – keine Frage.
Aber:
Ein Feed, der überwiegend aus Stellenanzeigen besteht,
sendet eine klare Botschaft:
„Diese Marke spricht nicht mit mir –
sie will etwas von mir.“
Menschen folgen Marken nicht,
um permanent etwas angeboten zu bekommen.
Follower, die wegen Kompetenz, Einblicken oder Haltung gekommen sind,
gehen wieder.
Recruiting wird dadurch nicht stärker –
sondern isoliert.
Dasselbe Spiel im Vertrieb: Produktdruck statt Vertrauen
Der Vertrieb denkt nachvollziehbar:
„Wir brauchen Leads. Wir müssen verkaufen.“
Also sollen Produkte, Leistungen und Angebote dauerhaft im Stream erscheinen.
Was dabei übersehen wird:
Menschen folgen Marken nicht, um beworben zu werden.
Sie folgen, um:
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zu verstehen
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einzuordnen
-
Vertrauen aufzubauen
Verkauf funktioniert auf Social Media –
aber nicht als Dauerzustand im organischen Feed.
Die unbequeme Wahrheit: Performance Ads wären oft die bessere Lösung
An diesem Punkt wird es intern oft still.
Denn sobald jemand sagt:
„Das gehört eigentlich in bezahlte Anzeigen.“
passiert etwas Entscheidendes:
-
Budgets müssen freigegeben werden
-
Zuständigkeiten werden plötzlich relevant
-
Social Media ist nicht mehr „kostenlos“
Und genau deshalb wird Performance häufig vermieden.
Nicht aus strategischen Gründen –
sondern weil niemand Geld in die Hand nehmen will.
Stattdessen soll der organische Feed alles leisten:
Recruiting. Vertrieb. Marke. Kommunikation.
Das kann er nicht.
Organischer Content und Performance Ads haben unterschiedliche Aufgaben
Ein realistisches Setup trennt klar:
Organischer Content
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baut Vertrauen auf
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erklärt Zusammenhänge
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zeigt Haltung
-
schafft Wiedererkennbarkeit
Performance Ads
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verkaufen
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rekrutieren
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pushen konkrete Angebote
-
sind zeitlich begrenzt und zielgerichtet
Wer beides vermischt,
schwächt die Wirkung von beidem.
Warum diese Konflikte intern selten gelöst werden
Das eigentliche Problem ist nicht fachlich –
es ist strukturell.
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HR wird an Bewerbungen gemessen
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Vertrieb an Umsatz
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Marketing an Sichtbarkeit
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PR an Risiko und Außenwirkung
Alle handeln logisch.
Aber nach unterschiedlichen Zielsystemen.
Ohne Moderation gewinnt nicht die beste Idee,
sondern die lauteste oder dringendste.
Und Social Media wird zur Projektionsfläche interner Konflikte.
Warum man darüber kaum offen spricht
Diese Spannungen werden intern oft nicht benannt.
Nicht aus Ignoranz – sondern aus Rücksicht.
Man will:
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niemanden bloßstellen
-
gewachsene Zuständigkeiten nicht infrage stellen
-
Konflikte nicht eskalieren lassen
Also wird weitergemacht. Mit Meetings. Mit Abstimmungen. Mit Kompromissen.
Und genau so bleibt das Problem bestehen.
Der erste sinnvolle Schritt ist kein Content – sondern Klärung
In solchen Situationen beginnt die Lösung fast nie mit einem neuen Redaktionsplan.
Sie beginnt damit, alle relevanten Abteilungen an einen Tisch zu holen.
Nicht, um Schuld zu verteilen. Sondern um Klarheit zu schaffen:
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Welche Rolle soll Social Media wirklich spielen?
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Was gehört in den organischen Feed – und was bewusst nicht?
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Welche Ziele werden über Content verfolgt?
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Welche Ziele gehören in bezahlte Maßnahmen?
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Wer entscheidet am Ende?
Erst danach macht Contentarbeit Sinn.
Fazit: Social Media scheitert nicht an Ideen – sondern an Überforderung
Social Media ist kein kostenloser Selbstbedienungskanal für interne Wünsche.
Es ist ein Kommunikationsraum mit eigener Logik.
Wenn jede Abteilung alles darin unterbringen will,
verlieren am Ende alle:
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die Marke
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die Reichweite
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das Vertrauen
Klarheit ist hier kein Nice-to-have. Sie ist Voraussetzung.
Warum LÖFFLER Content & Socials hier ansetzt
Genau in solchen Konstellationen sehen wir unsere Rolle.
Nicht als weiterer Dienstleister,
sondern als strukturierender Partner.
Wir helfen dabei:
-
interne Zielkonflikte sichtbar zu machen
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Rollen und Erwartungen zu klären
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organischen Content und Performance sinnvoll zu trennen
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Social Media aus der internen Überforderung zu holen
Oft beginnt das mit einem Workshop.
Immer mit Klarheit.
Denn erst wenn Social Media nicht mehr alles gleichzeitig sein soll, kann es das leisten, wofür es gedacht ist: Kommunikation mit Wirkung.